Historie der Wirtschaftsinformatik

Die Entwicklung der Wirtschaftsinformatik ist eng mit dem Einsatz elektronischer Datenverarbeitung in Unternehmen verbunden. Erste Ansätze lassen sich ab Mitte der 1950er Jahre erkennen, als an deutschen Universitäten vereinzelt Themen der Datenverarbeitung in Lehrveranstaltungen zur Organisationslehre, Betriebswirtschaftslehre oder zum Operations Research integriert wurden. Parallel dazu begannen Unternehmen, Großrechner für betriebswirtschaftliche Aufgaben wie Buchhaltung, Lohnabrechnung oder Lagerverwaltung einzusetzen.

In den 1960er Jahren nahm die Bedeutung der EDV in Unternehmen deutlich zu. Damit wuchs auch der Bedarf an Fachkräften, die sowohl betriebswirtschaftliche Prozesse als auch informationstechnische Systeme verstehen. In dieser Phase entstand die Wirtschaftsinformatik als eigenständiges Forschungs und Lehrgebiet an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaftslehre und Informatik.

Lehrstühle mit einer klaren wirtschaftsinformatischen Ausrichtung wurden im deutschsprachigen Raum erstmals 1968 an der Universität Linz für Peter Mertens und in der Folge durch seine Berufung 1970 an der Universität Erlangen Nürnberg eingerichtet. In den folgenden Jahrzehnten etablierte sich die Wirtschaftsinformatik zunehmend an Universitäten und Fachhochschulen, zunächst häufig als Vertiefungsrichtung innerhalb der Betriebswirtschaftslehre.

Mit der Verbreitung von Personal Computern, Standardsoftware und integrierten Anwendungssystemen in den 1980er und 1990er Jahren gewann das Fach weiter an Bedeutung. Themen wie Geschäftsprozessmodellierung, Informationssysteme, Enterprise Resource Planning, IT Management und strategischer Einsatz von Informationstechnologie rückten in den Fokus von Forschung und Lehre.

Seit den 2000er Jahren ist die Wirtschaftsinformatik an vielen Hochschulen als eigenständiger Studiengang fest etabliert. An einzelnen Standorten, etwa an der Universität Bamberg oder der Hochschule Furtwangen, wurden sogar eigenständige Fakultäten für Wirtschaftsinformatik eingerichtet. Inhaltlich erweiterte sich das Fach um neue Themen wie E Business, digitale Transformation, Datenanalyse, Künstliche Intelligenz, IT Governance und Informationssicherheit.

Heute versteht sich die Wirtschaftsinformatik als gestaltende Disziplin, die nicht nur bestehende Informationssysteme analysiert, sondern aktiv zur Entwicklung und Einführung digitaler Lösungen in Organisationen beiträgt.

Wirtschaftsinformatik bei amazon.de (Affiliate-Link)